Der Projekt DEAL-Ansatz

Von den dringenden Anforderungen der Wissenschaft in unserer digitalen Gesellschaft angetrieben, nutzt die globale akademische Gemeinschaft sowohl ihre finanzielle Hebelkraft als auch die Einflussmöglichkeiten, die sie als Produzentin von Forschungsbeiträgen hat, um den wissenschaftlichen Zeitschriftenmarkt grundlegend zu verändern. Mit Projekt DEAL hat die Allianz der Wissenschaftsorganisationen eine führende Rolle in dieser globalen Transformation eingenommen, in deren Rahmen veränderte Konditionen mit den zentralen wissenschaftlichen Zeitschriftenverlagen ausgehandelt werden. Mit ihrem bundesweiten Ansatz reduzieren und restrukturieren die DEAL-Vereinbarungen die deutschen Gesamtkosten für das wissenschaftliche Zeitschriftensystem und ermöglichen es allen Wissenschaftler*innen in Deutschland, Open Access zu publizieren und auf ein komplettes Portfolio qualitätsgeprüfter wissenschaftlicher Zeitschriften zuzugreifen.

Projekt DEAL strebt einen Systemwechsel an

Projekt DEAL steht im Bund mit Wissenschaftsvertreter*innen aus zahlreichen Ländern, in denen Verhandlungen mit Wissenschaftsverlagen aufgenommen wurden, um mehr Open Access bei gleichzeitiger Eindämmung der Kosten durchzusetzen und dadurch das System der wissenschaftlichen Kommunikation auf transparente und nachhaltige Grundlagen zu stellen.

Ausgehend von der Erkenntnis, dass die weltweiten Ausgaben für Zeitschriftensubskriptionen mehr als ausreichend sind, um das Open Access-Modell standardmäßig für wissenschaftliche Zeitschriften zu etablieren, zielen die Verhandlungen darauf ab, das den Zeitschriften zugrundeliegende Geschäftsmodell umzuwandeln. Anstelle von Subskriptionen stehen Open Access-Publikationsdienste im Zentrum dieses neuen Prinzips. Auf diese Weise bleiben die von der Wissenschaft geschätzten Zeitschriften und Publikationsdienste erhalten, aber die Finanzströme werden umstrukturiert, um einen offenen Zugang zu Forschungsergebnissen und einen transparenteren und wettbewerbsfähigeren wissenschaftlichen Publikationsmarkt zu ermöglichen.

Diese Umstrukturierung erfolgt im Rahmen der verhandelten sog. „transformativen Verträgen“. Transformationsvereinbarungen setzen bei den ehemaligen Subskriptionsausgaben an und widmen sie um für die

Finanzierung von frei zugänglichen und nachnutzbaren publizierten Forschungsergebnissen einer Einrichtung oder eines ganzen Landes. Die Verhandlungen im Projekt DEAL zielen darauf ab, auf nationaler Ebene einen kostenneutralen Rahmen zu schaffen, in dem die Logik, die Abläufe und die Geldströme der deutschen Zeitschriftensubskriptionen so umstrukturiert werden, dass sie Open Access ermöglichen für die tausenden von Zeitschriftenbeiträgen, die aus den deutschen Einrichtungen jährlich bei den Verlagen erscheinen.

Dieser Ansatz, der von den Mitgliedern der Allianz der Wissenschaftsorganisationen in Deutschland und den vielen Partnern in der globalen Open Access 2020-Initiative unterstützt wird, erhöht den Anteil der frei verfügbaren Forschungsbeiträge aus Deutschland massiv, ohne dass die selben Zeitschriftenbeiträge zweifach finanziert werden müssen, und trägt so zu einem schnellen und effizienten Übergang der subskriptionsbasierten Zeitschriftenportfolios zu Open Access bei. Damit ist diese Übergangsstrategie ein entscheidender Schritt auf dem Weg, Open Access zum Standard in der wissenschaftlichen Kommunikation werden zu lassen, und er setzt zentrale Impulse für die weitere Entwicklung einer auf Offenheit beruhenden Forschungspraxis.

Die DEAL-Verhandlungsziele

Die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen hat das Projekt DEAL ins Leben gerufen, um bundesweite transformative Vereinbarungen mit jenen Wissenschaftsverlagen zu verhandeln, die von den wissenschaftlichen Autor*innen und Leser*innen am meisten frequentiert werden. Die Verhandlungen auf nationaler Ebene bieten dabei das größte Wirkungspotenzial für das gesamte deutsche Wissenschaftssystem. Gleichzeitig können andere deutsche Verhandler*innen und Bibliothekskonsortien unter dem Dach der Allianz den DEAL-Ansatz als Modell für die Verhandlung mit weiteren Verlagen nutzen.

Image

Verteilung der wissenschaftlichen Artikel aus deutschen Einrichtungen über die Verlage (Corresponding Author-Publikationen zwischen 2015-18). Die von DEAL adressierten Verlage Elsevier, Springer Nature und Wiley veröffentlichen fast die Hälfte des deutschen Outputs. Gleichzeitig wenden Bibliotheken i. d. R. weit mehr als die Hälfte ihres Budgets für den Zugang zu den Zeitschriften dieser Verlage auf. Quelle: oa2020cadata (Github)

Für die neuen, deutschlandweit geltenden Verträge mit den drei größten Wissenschaftsverlagen formuliert Projekt DEAL drei Verhandlungsziele:

  • Alle Wissenschaftler*innen in Deutschland erhalten die Möglichkeit, ihre Forschungsergebnisse in den Fachzeitschriften ihrer Wahl unmittelbar unter einer freien Lizenz zu publizieren (Open Access). Dadurch sichern sie sich das Recht, ihre Arbeiten unbegrenzt zu verbreiten, so dass Fachkolleg*innen aus aller Welt die Erkenntnisse nachnutzen und darauf aufbauen können.

  • Durch eine verbesserte Informationsversorgung erhalten möglichst alle deutschen Wissenschaftsstandorte und damit alle Forschenden, Lehrenden und Studierenden in Deutschland im gleichen Umfang dauerhaften Zugang zu qualitativ hochwertigen wissenschaftlichen Zeitschrifteninhalten.

  • Diese Ziele werden durch die Etablierung eines fairen, zukunftsorientierten Preismodells erreicht, das auf dem Publikationsaufkommen der Wissenschaftseinrichtungen in den Zeitschriften der Verlage basiert. Finanzieller Ausgangspunkt des Modells sind die kollektiven Ausgaben der deutschen Wissenschaftseinrichtungen für Subskriptionen. Sie werden im Rahmen der neuen Verträge umstrukturiert.

Manifeste Verbesserungen für alle Beteiligten

Durch die DEAL-Verträge mit wissenschaftlichen Verlagen:

  • erhalten alle wissenschaftlichen Autor*innen das Recht, ihre Forschungsartikel sofort im Open Access zu veröffentlichen – ohne Open Access-Publikationsgebühren zahlen zu müssen – und zwar in Tausenden qualitätsgeprüften Zeitschriften, welche ihre Beiträge ansonsten hinter einer Bezahlschranke zurückhalten. Um die Rahmenbedingungen für Open Access insgesamt zu verbessern und wissenschaftliche Autor*innen weiter von administrativen und finanziellen Hürden zu entlasten, hat DEAL außerdem Rabatte auf die Publikationsgebühren der Open-Access-Zeitschriften der Verlage verhandelt.
    Erfahren Sie mehr >>

  • Wissenschaftler*innen und Studierende an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen jeglicher Größe erhalten dauerhaften Zugang zu kompletten Portfolios qualitätsgeprüfter wissenschaftlicher Zeitschriften. Selbst kleinste Forschungseinrichtungen, die bisher keine Zeitschriften der nun durch DEAL abgedeckten Verträge abonniert hatten, können diese Vorteile gegen eine geringe Beitrittsgebühr an ihre Leser*innen weitergeben.
    Erfahren Sie mehr >>

  • Für wissenschaftliche Bibliotheken schafft DEAL einen tragfähigen und nachhaltigen Rahmen, innerhalb dessen sie ihre Arbeitsabläufe und Budgets auf die Unterstützung des Open-Access-Publizierens umstellen können. Mithilfe von DEAL wird das Subskriptionssystem überwunden, wodurch perspektivisch wieder finanzielle Freiräume entstehen. Bereits jetzt stellen die DEAL-Verträge für die Bibliotheken eine Entlastung dar, denn sie bieten für alle Standorte gleichermaßen maximale Informationsversorgung, die über Archivrechte auch dauerhaft abgesichert wird, und sie sorgen für Kostentransparenz und Planungssicherheit. Insbesondere an forschungs- und publikationsintensiven Einrichtungen positionieren sich Bibliotheken über Services rund um das wissenschaftliche Publizieren neu.
    Erfahren Sie mehr >>

  • Hochschulverwaltungen und Verwaltungsleiter*innen an Wissenschaftseinrichtungen dämmen über die DEAL-Verträge parallele Ausgabenströme ein und erlangen damit die Kontrolle über die Gesamtkosten für das Zeitschriftensystem an ihrer Einrichtung. Gleichzeitig etabliert DEAL ein leistungsbezogenes, transparentes Preissystem, das die Vertragskosten komplett auf das Publizieren verlagert und schafft so einen realistischen Finanzierungsrahmen für Einrichtungen, die das offene Publizieren ihrer Wissenschaftler*innen nachhaltig unterstützen.

So reduziert und restrukturiert DEAL die Finanzströme im wissenschaftlichen Publikationssystem >>